Der Griff zur falschen Rasse

mit freundlicher Genehmigung

Der Griff zur falschen Rasse!
In unserer Aufklärungsrunde geht es heute mal wieder um Hunde.
Hunde können so wunderschön sein. Ob mit blauen Augen, ob mit merlefarbenen Flecken, in außergewöhnlichem blau oder Mischungen, mit denen man schon von weitem auffällt und bisher selten gesehen hat. Die Bandbreite ist riesig. Bei tausenden von Rassen und Mischungen kann man bei der Auswahl zum eigenen Vierbeiner mal schnell den Überblick verlieren. Aber! Augen auf beim Hundekauf.
Uns verwirrt immer wieder die Frage „haben Sie aktuell Welpen? Wir suchen einen.“ Mal davon abgesehen, dass Welpen eher die Seltenheit in unserem Tierheim sind, fragen wir uns bei dieser Frage denn: Chihuahua oder Dogge? Wäre das völlig egal? Hauptsache ein Welpe? Bei genauerem Nachfragen stellt man dann zwar fest, dass Leute durchaus eine Vorstellung der Endgröße haben, vom Rest jedoch nicht. Immer wieder hält sich das Gerücht, dass ein Welpe ja ein unbeschriebenes Blatt ist und man sich „den ziehen kann, wie man will“. Sicherlich tut die Prägephase ihres dazu, wenn es um die Entwicklung eines Welpen geht, aber die Genetik eines Hundes ist nicht mal eben völlig außer Acht zu lassen.
So stellen wir uns bei unserem aktuellen Bestand die Frage: Warum musste es ein Hovawart sein? Warum ein Herdenschutzhund, Deutsch Langhaar oder Rottweiler? Denn selten sind hinter solchen Rassen Menschen, die sich diese Rasse bewusst für ihre Bedürfnisse angeschafft haben. So wundert man sich beim Herdenschutzhund wenn er mit 7 Monaten gegen fremde Menschen geht oder beim Jagdhund, wenn der plötzlich das Jagen beginnt.
Warum müssen immer weitere „Rassen“ kreiert werden, die zwar jeden Schönheitswettbewerb gewinnen würden, aber vom Otto Normalhundehalter nicht gehändelt werden können? Warum brauchen wir blaue Labradore, die eigentlich Weimaranermixe sind? Warum müssen Listenhunde immer breiter, schwerer sein und mit anderem Namen benannt werden, obwohl sie weiterhin Listenhundmischlinge sind? Schaut man sich die Online-Portale an und entdeckt Mischungen, die vom Anfängerhund für Lieschen Müller so weit entfernt sind, wie die Sonne zum Mond, weiß man oftmals: Unsere Zwinger werden nicht leer.
Glauben Sie uns. Der Großteil unserer schwierigen Hunde im Tierheim war mal in Händen, die alles richtig machen wollten und doch ging es schief. Und ja, vermutlich wäre es mit einem Pudel oder Malteser eben nicht schief gegangen. Keine Rasse ist ein Garant dafür, dass es gut oder schlecht wird, aber meist spielt die Genetik durchaus eine Rolle und manches Mal ist der Griff zum erwachsenen Hund, dessen Persönlichkeit sich schon entwickelt hat, durchaus die bessere Wahl. Das Lesen von geschönten Rasseportraits wo jeder Hund der optimale Familienhund ist, sollte nicht der ausschlaggebende Berater sein. Sprechen Sie gerne mit gut frequentierten Hundetrainern und ihren Erfahrungen bezüglich verschiedener Rassen, lesen Sie echte Rassebeschreibungen und lassen Sie die Finger von Hunden, rein aus optischen Gründen.
Wir steuern im Tierschutz auf üble Zeiten zu, weil sich völlig unreflektiert Hunde angeschafft werden, die sich in falschen Händen in die falsche Richtung entwickeln. Wir Tierheime können diese Flut von verhaltensauffälligen Hunden nicht auffangen. Es muss sich beim Vermehren und der Anschaffung etwas ändern. Es kann nicht sein, dass jeder Hinz und Kunz Hunde vermehren darf, sich jeder ungeeignete Halter alles anschaffen darf und am Ende aus jeglicher Verantwortung raus ist.
Nadine Bender, 1. Vorsitzende Tierheim Zweibrücken

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