Januar 2019: Tapfer und sourverän

immer wieder  Montag..... 

Der Tag war gar nicht so schlecht. Anïta und ich  machten uns etwa um halb fünf Uhr auf, um mit den Alten und den Ferienhunden ihr Abendründeli zu machen.

Das ist nur bis zum ersten Waldabschnitt und dann dem Kanal nach zurück. Jeweils ca 40 Minuten, das kleine Special das diese Gruppe hat :-) 

Happy war  dabei, die kann man am  Abend nicht mehr frei lassen, da sie sehr jägerisch ambitioniert ist. Vicky lässt ja  auch nichts anbrennen, wenn es um Viecher geht, die man jagen könnte ;-) 

Wir waren schon fast zu Hause, das heisst, schon beim Brüggli. Anïta schaute zurück, ob die 17 jährige Chevara auch den rechten Weg einschlägt, und ja, sie kam. 

Als wir schon fast am Ende des Brüggleins waren, hörten wir  etwas platschen. Ups, ist da eine Ente ? Ich ging nochmal zurück, schaute ins Wasser und sah nichts. 

Ja nu, vielleicht ein Fisch der gesprungen war.

Wir wollten wieder weiter gehen und Anïta sah noch auf die andere Seite der Brücke, da tauchte der Kopf von Chevara aus dem Wasser.

Der Kanal zieht wie verrückt und sie trieb und schwamm in Windeseile abwärts. Anïta rannte…..rannte und rief und rannte und rannte.... 

Sie hielt Ausschau, wo sie  am besten rein springen könnte, dass sie auch wieder raus käme. Sie schrie mich an, dass ich am Ufer bleiben soll.

Keine Chance für Anïta, das Betonufer war Steinbein gefroren…..wir rannten und rannten,  Anïta rief…

Chevara schwamm tapfer, aber es zog sie immer auf die Seite, die weg von uns war.

Beim Rest.  Sonne hatte Anïta kaum mehr Kraft, sie rannte ins Resti und fragte ausser Atem," kann mir bitte SCHNELL jemand helfen." ?

Ein alter Mann hinter einem Tisch fragte zurück „wäge?“

Die einzige Frau  im Restaurant sprang auf und fragte, was sie tun kann. "Schnell schnell, bitte mit dem Auto dem Kanal nach fahren." Anïta und ich Ich sprangen auf den Beifahrer und der  Fahrstil der Frau machte James Bond alle Ehre.

Weit vorne sahen wir im Wasser den Kopf von Che. Wir sprangen raus, die Frau sagte, sie fahre bis zur Sandbank. Anïta schrie und schrie nach Chevara, sie muss sie gehört haben, sie drehte leicht zu unserem Ufer, aber es zog sie erbarmungslos weiter.

Da es schon stark eindunkelte, sahen wir  sie fast nicht mehr.

Und da, als Anïta schon fast beim Wasser war, verliessen Chevara  ihre Kräfte und sie ging  unter. Anïta sprang ins Wasser und erwischte sie grad noch am Halsband. Der Fluss zog an ihnen, aber sie hatte das Glück, dass sie  mit der linken Hand einen Grasbüschel erwischte. Sie  konnte bei Che nachgreifen und konnte das Gschtältli erwischen. Sie  zogen , hievten, stemmten Chevara aufs Bord und da war schon die Frau, die ihnen zu Hilfe kam. 

Sie befahl uns so triefend nass wie wir waren, ins Auto zu steigen. „ Ich weiss wo sie wohnen, ich war vor drei Jahren mal bei ihnen, für eine Privatstunde, für die sie nichts verlangten“. 

Sie fuhr uns heim. Da kam grad Pierre an und sie haben Che trocken gerubbelt und mit dem heissen Föhn getrocknet. Jetzt konnte Anïta los, um sich um die anderen Hunde zu kümmern.

Sie fuhr mit dem Auto zu unserem Brüggli und da stand Tara - mit Vicky, Nasha, Puscheli und Happy. Jupee und ich waren  ja mit ihr geblieben .

 

"Tara sagte, dass sie den anderen gesagt hätte, sie sollen mit ihr da warten, Anïta komme bestimmt, um sie zu holen." 

Anïta erzählte " Bei der ganzen Panik, bei meiner ganzen Angst, da ging mir das Herz auf. Unsere  zurückhaltende, eher scheue Tara !! <3 Sie weiss, wann es Ernst ist und hat es geschafft, dass alle bei ihr blieben. 

Sie  stiegen alle ein und fuhren die kurze Strecke heim. 

Chevara bekam einen Honig /Ingwer Tee, Schüssler Salze und das warme Bademänteli. Pierre stellte ihr noch die Wärme Wand hin und die Zweibeiner machten die Abend Arbeit fertig. 

Tara bekam ein extra grosses Gudi und viel viel Lob und Komplimente. Sie hat es sogar geschafft, die Jägerin Happy bei sich zu behalten.

Ich habe das Ganze überwacht und wäre zur Stelle gewesen, wenn es mich gebraucht hätte. EVEN, du fehlst uns, deine Führung, deine Überlegenheit , dein Wissen, was zu tun ist. 

Ich hoffe, du bist stolz auf uns alle.

 

Anïta erzählte, "An diesem Abend bin ich tausend Tode gestorben. Ich konnte mich kaum noch bewegen. 

Chevara hat ihren , 1 km langen Winter Schwumm im eiskalten Wasser  locker weg gesteckt.

Fürs letzte Bisi musste ich sie tragen, nicht nur meine Beine waren etwas schlapp, ansonsten aber unversehert.

Am Dienstag kam sie auf ihren Spaziergang, hat sich normal versäubert und einen grossen Appeit an den Tag gelegt.:-)  "

Die Kontrolle für Chevara Augen, gestern bei Frau Valser,  war sehr erfreulich. Das Auge sehe super aus und sie werde damit auch wieder sehen :-) 

Ivy, Piro, Maus, Zoulu, Benji und allen voran Even…… Danke ihr lieben Schutzengel. Das war knapp, denn nach der Sandbank hätte Anïta  keine Chance mehr gehabt. 

Es ist so schön, euch bei uns  zu wissen. DANKE von ganzem Herzen.  

Dezember 2018

Hallo ihr Lieben

 

Der letzte Montag war für uns alle ein grässlicher Tag. Obwohl wir alle schon wussten, dass mein Freund Even, nicht mehr sehr lange mit uns leben wird, war dann sein Krampfanfall doch erschreckend. Nach dem Hilferuf in die Klinik, bekamen sie sofort einen Termin. In der Regel ist ja immer jemand da, der mit Anïta arbeitet oder einfach so da ist. Just an diesem Montag war sie ganz allein. Pierre hatte Adventsfenster in der Schule, war also vor acht Uhr nicht zu erwarten.

 

Die frühe Dunkelheit am Abend, macht das Leben auf der Farm für die Menschen nicht unbedingt leichter. So rannte Anïta noch schnell zu den Schafen, gab denen genügend Heu und.... da lag „ Lila“. Lila ist ihr Lieblingsschaf. Sie röchelte und wollte nicht aufstehen. Also, noch mal Telefon in die Klinik. „ Nein, sie müssen nicht kommen, ich bringe sie gleich mit“ hörte ich Anïta sagen. Sie packte „Lila“ in  die Schubkarre und fuhr so zum Auto. Dann rief sie Andreas, das ist unser Nachbar, dass er ihr bitte schnell zwei Hände leihen kann. So packten sie Lila ins Auto, und Even auf der anderen Seite in die Box. 

 

Wir anderen Hunde mussten in den Borderraum und ins Haus. „Seid bitte brav, ich komme möglichst schnell wieder“

 

Jetzt kommt mir grad in den Sinn, dass ihr alle, oder die meisten von euch, mich noch gar nicht kennen.

 

Ich bin Mouvie, sozusagen eine ehemalige Border Homeless. Da ich bedingt durch meine Erfahrungen ein sehr gespanntes Verhältnis zu Menschenbeinen habe, blieb ich länger als geplant. Kinderbeine sind für mich das allerschlimmste. Wenn sie stampfen, schnell vorbeirennen oder gar treten, kann ich nicht mehr an mich halten. Ich muss die zwicken. So haben unsere Zweibeiner gesagt, dass sie mich nicht in ein Neues zu Hause geben können, sie wollen nicht, dass sich da noch mehr schlechte Erfahrungen häufen.

 

So lernte ich mit den Schafen arbeiten, machte Agility, Trick Dog, Begleiterin am Velo und neu auch Hoopers. Ich darf im Sommer die Ausbildung zum Wasserrettungshund besuchen. Ja, ihr lest schon richtig, ich wurde adoptiert und darf da bleiben. Even ist mein bester Freund und mein grosses Vorbild. Wir teilen uns oft ein Bettli und kuscheln zusammen. 

 

Da es im Borderraum schön warm ist, wir Bettli drin haben und Boxen, kuschelten wir uns ein und pennten. Als es sehr spät war, kam Anïta wieder heim. Sie war ganz nieder geschlagen und hat erzählt, dass Even jetzt über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Ihr Gesicht war voll Wasser.  Sie erzählte, das Lila eine Infusion bekam, Glucose und Kalzium, weil nicht ersichtlich war, was ihr denn fehlen könnte. Sie schlief einfach ein und wachte nicht mehr auf. Anïta fuhr im Regen und Dunkelheit mit Even ins Krematorium hier im Thurgau. Er habe ganz ruhig geschlafen, sie hat uns seinen Geruch und seine letzte Energie mitgebracht. 

Sie hat uns sehr gelobt und es gab dann auch gleich etwas feines zu essen. Wir waren aber auch brav, keiner hat Quatsch gemacht. Wir wissen schon, wenn es Ernst ist. 

 

Die Zweibeiner sind schon etwas komisch. Schon lange hat Anïta uns erzählt, dass man nur den Raum wechselt, wenn man nicht mehr im irdischen Leben ist. Und jetzt zerbricht sie fast, kann es sein, dass sie selber nicht so recht glaubt, was sie erzählt ? 

Wir Hunde, wir wissen es ganz genau. Wir sind immer noch da, einfach nicht mehr in diesem Körper. 

Und gestern Nacht hat sie es selber erlebt. Nachdem sie sich in den Schlaf geweint hat, ist sie plötzlich wieder aufgestanden. Ganz leise ging sie raus und sagte uns, dass wir liegen bleiben sollen. 

 

Das hat sie jetzt lange Zeit für Even gemacht, weil er es nicht mehr sehr lange aushalten konnte, ohne zu bisele. Sie stand im Zimmer, wartete und ging dann wieder in ihr Bett. Leise fragte sie mich, ob ich es auch gehört habe? Even war da. Kein anderer täppelet so wie er Ja ich spüre ihn, er ist oft da, auch wenn die Zweibeiner es nicht merken. 

 

Er fehlt. Sein Witz, seine Art und auch seine Ernsthaftigkeit. 

 

Ich werde und will ihn auch in keiner Art ersetzen, das kann man gar nicht. Ich möchte aber unsere Erlebnisse, unser Leben hier , in Geschichten verpackt,für ihn weiter erzählen. So lebt er doch noch irgendwie mit uns. 

 

Ich habe die Aufabe übernommen, die „Neuen“ zu lehren, was Menschen erwarten. Ich führe sie an. Ich bin nicht so lieb und geduldig wie Even, nicht so diplomatisch, sagen meine Menschen. Ich bin klar und direkt ;-) Aber ich gebe mein Bestes, einen  guten Job zu machen. 

 

Eure Mouvie

Kommentare: 3
  • #3

    Catja (Mittwoch, 13 Februar 2019 10:19)

    Liebe Mouvie, du machst deine Arbeit souverän und gut. Du musst Even auch nicht ersetzen, du hast einfach seine Aufgabe übernommen und die wirst du mit deinen eigenen Fähigkeiten meistern... Ich kann mir vorstellen was Anita bei Chevaras Badeausflug durchgestanden hat!! Das ist ja grauenvoll so ein Erlebnis! Zum Glück ging alles gut aus. Schön, dass ihr ein eingespieltes Team seid - ihr packt das!!

  • #2

    Stephie (Samstag, 29 Dezember 2018 19:57)

    Liebe Mouvie
    Dein erste Erzählung hat mich schon zu Tränen gerührt. Da war an dem Tag ja bei Euch grad richtig viel los. Ich kann Anita gut verstehen, es tut wahnsinnig weh, einen geliebten Vierbeiner gehen zu lassen. Aber Du hilfst Anita ja super, aber bis ihr Euch alle an das Leben ohne Even gewöhnt habt, dauert es wohl noch etwas. Seid ganz lieb gegrüsst und ich freue mich auf viele weiteren Geschichten von Dir Mouvie. Machts gut und Kopf hoch.

  • #1

    Corinne (Mittwoch, 26 Dezember 2018 23:40)

    Liebe Mouvie
    Danke, dass du diese wichtige Aufgabe übernimmst. Ich bin sicher, du machst das gut, denn du bist mit ganzem Herz dabei. - Achte gut auf AnÏta; sie braucht dich.
    <3