Dezember 2018

Hallo ihr Lieben

 

Der letzte Montag war für uns alle ein grässlicher Tag. Obwohl wir alle schon wussten, dass mein Freund Even, nicht mehr sehr lange mit uns leben wird, war dann sein Krampfanfall doch erschreckend. Nach dem Hilferuf in die Klinik, bekamen sie sofort einen Termin. In der Regel ist ja immer jemand da, der mit Anïta arbeitet oder einfach so da ist. Just an diesem Montag war sie ganz allein. Pierre hatte Adventsfenster in der Schule, war also vor acht Uhr nicht zu erwarten.

 

Die frühe Dunkelheit am Abend, macht das Leben auf der Farm für die Menschen nicht unbedingt leichter. So rannte Anïta noch schnell zu den Schafen, gab denen genügend Heu und.... da lag „ Lila“. Lila ist ihr Lieblingsschaf. Sie röchelte und wollte nicht aufstehen. Also, noch mal Telefon in die Klinik. „ Nein, sie müssen nicht kommen, ich bringe sie gleich mit“ hörte ich Anïta sagen. Sie packte „Lila“ in  die Schubkarre und fuhr so zum Auto. Dann rief sie Andreas, das ist unser Nachbar, dass er ihr bitte schnell zwei Hände leihen kann. So packten sie Lila ins Auto, und Even auf der anderen Seite in die Box. 

 

Wir anderen Hunde mussten in den Borderraum und ins Haus. „Seid bitte brav, ich komme möglichst schnell wieder“

 

Jetzt kommt mir grad in den Sinn, dass ihr alle, oder die meisten von euch, mich noch gar nicht kennen.

 

Ich bin Mouvie, sozusagen eine ehemalige Border Homeless. Da ich bedingt durch meine Erfahrungen ein sehr gespanntes Verhältnis zu Menschenbeinen habe, blieb ich länger als geplant. Kinderbeine sind für mich das allerschlimmste. Wenn sie stampfen, schnell vorbeirennen oder gar treten, kann ich nicht mehr an mich halten. Ich muss die zwicken. So haben unsere Zweibeiner gesagt, dass sie mich nicht in ein Neues zu Hause geben können, sie wollen nicht, dass sich da noch mehr schlechte Erfahrungen häufen.

 

So lernte ich mit den Schafen arbeiten, machte Agility, Trick Dog, Begleiterin am Velo und neu auch Hoopers. Ich darf im Sommer die Ausbildung zum Wasserrettungshund besuchen. Ja, ihr lest schon richtig, ich wurde adoptiert und darf da bleiben. Even ist mein bester Freund und mein grosses Vorbild. Wir teilen uns oft ein Bettli und kuscheln zusammen. 

 

Da es im Borderraum schön warm ist, wir Bettli drin haben und Boxen, kuschelten wir uns ein und pennten. Als es sehr spät war, kam Anïta wieder heim. Sie war ganz nieder geschlagen und hat erzählt, dass Even jetzt über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Ihr Gesicht war voll Wasser.  Sie erzählte, das Lila eine Infusion bekam, Glucose und Kalzium, weil nicht ersichtlich war, was ihr denn fehlen könnte. Sie schlief einfach ein und wachte nicht mehr auf. Anïta fuhr im Regen und Dunkelheit mit Even ins Krematorium hier im Thurgau. Er habe ganz ruhig geschlafen, sie hat uns seinen Geruch und seine letzte Energie mitgebracht. 

Sie hat uns sehr gelobt und es gab dann auch gleich etwas feines zu essen. Wir waren aber auch brav, keiner hat Quatsch gemacht. Wir wissen schon, wenn es Ernst ist. 

 

Die Zweibeiner sind schon etwas komisch. Schon lange hat Anïta uns erzählt, dass man nur den Raum wechselt, wenn man nicht mehr im irdischen Leben ist. Und jetzt zerbricht sie fast, kann es sein, dass sie selber nicht so recht glaubt, was sie erzählt ? 

Wir Hunde, wir wissen es ganz genau. Wir sind immer noch da, einfach nicht mehr in diesem Körper. 

Und gestern Nacht hat sie es selber erlebt. Nachdem sie sich in den Schlaf geweint hat, ist sie plötzlich wieder aufgestanden. Ganz leise ging sie raus und sagte uns, dass wir liegen bleiben sollen. 

 

Das hat sie jetzt lange Zeit für Even gemacht, weil er es nicht mehr sehr lange aushalten konnte, ohne zu bisele. Sie stand im Zimmer, wartete und ging dann wieder in ihr Bett. Leise fragte sie mich, ob ich es auch gehört habe? Even war da. Kein anderer täppelet so wie er Ja ich spüre ihn, er ist oft da, auch wenn die Zweibeiner es nicht merken. 

 

Er fehlt. Sein Witz, seine Art und auch seine Ernsthaftigkeit. 

 

Ich werde und will ihn auch in keiner Art ersetzen, das kann man gar nicht. Ich möchte aber unsere Erlebnisse, unser Leben hier , in Geschichten verpackt,für ihn weiter erzählen. So lebt er doch noch irgendwie mit uns. 

 

Ich habe die Aufabe übernommen, die „Neuen“ zu lehren, was Menschen erwarten. Ich führe sie an. Ich bin nicht so lieb und geduldig wie Even, nicht so diplomatisch, sagen meine Menschen. Ich bin klar und direkt ;-) Aber ich gebe mein Bestes, einen  guten Job zu machen. 

 

Eure Mouvie

Kommentare: 2
  • #2

    Stephie (Samstag, 29 Dezember 2018 19:57)

    Liebe Mouvie
    Dein erste Erzählung hat mich schon zu Tränen gerührt. Da war an dem Tag ja bei Euch grad richtig viel los. Ich kann Anita gut verstehen, es tut wahnsinnig weh, einen geliebten Vierbeiner gehen zu lassen. Aber Du hilfst Anita ja super, aber bis ihr Euch alle an das Leben ohne Even gewöhnt habt, dauert es wohl noch etwas. Seid ganz lieb gegrüsst und ich freue mich auf viele weiteren Geschichten von Dir Mouvie. Machts gut und Kopf hoch.

  • #1

    Corinne (Mittwoch, 26 Dezember 2018 23:40)

    Liebe Mouvie
    Danke, dass du diese wichtige Aufgabe übernimmst. Ich bin sicher, du machst das gut, denn du bist mit ganzem Herz dabei. - Achte gut auf AnÏta; sie braucht dich.
    <3